

Herr Woodtli, aus welchen Gründen bringen Menschen ihre Angehörigen in ein fernes Land wie Thailand? Wie kommen die Beteiligten mit dem Abschiedsschmerz und der Umstellung zurecht?
Nahezu alle Angehörigen sind auf der Suche nach einem Gegenentwurf zur Versorgungsstruktur in ihrem Heimatland. Sie machen die Erfahrung, dass eine liebevolle und achtsame Betreuung in schweizerischen oder deutschen Pflegeheimen aus Zeitgründen fast oder gar nicht möglich ist. Ich habe in den vergangenen 13 Jahren keine Familie erlebt, die sich ihre Entscheidung leicht gemacht hat. Oder lediglich eine billige Alternative zur Pflege in Europa suchte. Unser Angebot ist eine Art „Nischenprodukt“ für Menschen, die gemeinsam mit ihren Angehörigen einen anderen, ungewöhnlichen Weg beschreiten wollen.Unsere Gäste kommen mit der Umstellung meist besser zurecht als ihre Angehörigen. Oft leben Demenzkranke in ihrer eigenen kleinen Erfahrungswelt, die sie in ihr thailändisches Zuhause transportieren. Für manche Menschen ist unsere Anlage das neue Zürich, Stuttgart oder Sankt Gallen.

Wie steht es um die medizinische Versorgung der Bewohner? Mit welchen Diagnosen kommen sie zu Ihnen?
In unserer Anlage leben fast ausschließlich Menschen, die an Demenz leiden – in allen Stadien der Erkrankung. Der medizinische Standard in Nordthailand ist sehr gut, wir pflegen intensive Kontakte zu verschiedenen Krankenhäusern und zu deutschsprachigen Medizinern. Darüber hinaus haben wir einen „Hausarzt“, der unsere Gäste betreut und unserer Einrichtung regelmäßige Besuche abstattet.Gerade Demenzkranke profitieren sehr von der guten und herzlichen Begleitung durch unser Pflegepersonal. Ältere Menschen werden in der thailändischen Gesellschaft hoch geachtet und respektiert. Das drückt sich unter anderem in einer wertschätzenden Pflege aus.
Greifen die Leistungen der deutschen Pflegeversicherung auch in Thailand?
Dazu lassen sich keine pauschalen Aussagen treffen, jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Mit den Versicherungen in der Schweiz haben wir generell mehr abrechnungstechnische Möglichkeiten als mit den deutschen Pflegekassen. Als Richtlinie gilt: Die Gesamtkosten für Aufenthalt und Pflege in Baan Kamlangchay betragen weniger als die Hälfte von denen in einem schweizerischen oder deutschen Pflegeheim.
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